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Die gegenwärtige Tragödie wissenschaftlicher Kollektivgüter: Ein Plädoyer dafür, das Problem verantwortungsvoll zu lösen

  • Eva Barlösius

Publikation: Beitrag in FachzeitschriftArtikelForschungPeer-Review

Abstract

Teilweise bis zu sechs Wissenschaftler*innen, so berichten Organisationen
der Forschungsförderung, haben sie anzusprechen, bis sich eine Person bereit-
erklärt, einen eingereichten Antrag zu begutachten. Dazu passt, dass auch Be-
rufungen in Gremien, wie Kollegien, Senate, Kuratorien oder Ausschüsse, die
ehemals ohne Probleme zu besetzen waren, immer öfter abgelehnt werden.
Wissenschaftspolitische Beratungsgremien stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Vormals begehrte Aufgaben werden seltener mit Begeisterung übernommen, stattdessen häufiger mit der Begründung abgelehnt, dafür fehle die Zeit. Herausgeber*innen wissenschaftlicher Zeitschriften sind nicht nur damit konfrontiert, dass es schwieriger wird, Reviewer zu finden, auch die Suche nach Nachfolger*innen für die Herausgabe der Zeitschrift ist aufgrund der Zunahme von Absagen zu einem aufwändigen
Prozess geworden.
Insgesamt ergibt sich daraus eine paradoxe Konstellation: Auf der einen Seite ist zu beobachten, dass offenbar die aktive Mitwirkung von Wissenschaftler*innen an Prozessen der wissenschaftlichen Selbstorganisation nicht mehr wie ehemals selbstverständlich gesichert ist. Dies gilt für die verschiedenen Formen wissenschaftlicher Qualitätskontrolle wie das Peer-Review-Verfahren, institutionelle Evaluationen und alle anderen Begutachtungsprozeduren, die wissenschaftsinterne Kommunikation mittels Tagungen und Konferenzen oder die Herausgabe von Zeitschriften ebenso wie für die Beteiligung an Gremien der wissenschaftlichen Selbstgestaltung, etwa Fachgemeinschaften, Ausschüsse, Beiräte, Akademien. Ohne eine ausreichende Mitwirkung von Wissenschaftler*innen an diesen dem Feld der Wissenschaft zugehörigen Instanzen ist deren zukünftige Existenz gefährdet, was massive Auswirkungen auf die gesamte institutionelle Ausgestaltung von Wissenschaft hat.
OriginalspracheDeutsch
FachzeitschriftDie Hochschule
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2025

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