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Theoria cum praxi: Essays in times of crisis on Solvency II, yield forecasts and alternatives for asset managers in the low interest environment

  • Norman Rudschuck

Publikation: Qualifikations-/StudienabschlussarbeitDissertation

Abstract

Das Ziel dieser kumulativen Dissertation – insbesondere zu den Themen Solvency II, der Güte von Zinsprognosen und dem historischen Niedrigzinsumfeld gepaart mit unkonventioneller Geldpolitik – ist es, bestehende Theorien auf ihre Qualität und Zuverlässigkeit zu überprüfen. Der wissenschaftliche Beitrag basierend auf den empirischen Forschungsleistungen soll aufgrund der erzielten Ergebnisse zusätzlich einen praktischen Nutzen für Assetmanager in der Versicherungsindustrie leisten – kurz: Eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Insbesondere in Zeiten der historischen Niedrigzinsphase stellt(e) sich revolvierend die Frage: Warum und wofür werden Zinsprognosen erstellt? Dabei zeigte sich, dass gerade in volatilen Marktsituationen die Genauigkeit dieser Vorhersagen abnahm, wobei Orientierung in diesen Phasen von außerordentlicher Bedeutung gewesen wäre. Die Verschärfung des Anlagenotstands ergab sich zudem nicht nur durch sinkende Renditen, sondern auch durch den Regimewechsel mit Blick auf die Regulatorik. Solvency II kann als ein Paradigmenwechsel betrachtet werden und unterstreicht nicht erst seit der Einführung die Notwendigkeit einer angemessenen Kapitalausstattung von Versicherungsunternehmen. Diese Rahmenbedingungen verschärften die kurz- bzw. langfristige Arbeit der Assetmanager im Bereich der Kapitalanlage, weshalb zu konstatieren war, dass konventionelle Lebensversicherungsprodukte aufgrund der sinkenden Garantieverzinsung mehr denn je erklärungsbedürftig geworden sind. Zudem resultieren hieraus für die Branche neue Herausforderungen und zusätzliches Umdenken mit Blick auf Vermarktung und Renditeerzielung, um das Produkt ‚Lebensversicherung‘ für Kunden attraktiv zu gestalten. Des Weiteren haben sich die Policen in der Gestalt weiterentwickelt, als dass teilweise nur noch eine Beitragsgarantie gewährt wird und der Garantiezins bei einzelnen Gesellschaften bzw. Produktangeboten keine Rolle mehr spielt. Diese beobachteten Zusammenhänge schlagen sich in praktischen und theoretischen Überlegungen nieder. Dies gilt insbesondere für das Ausweichen in Anlagetitel mit höherem Risiko-Ertrags-Profil, welche jedoch im Standardmodell unter Solvency II mit mehr Solvenzkapital zu hinterlegen sind – SCR und MCR (Minimum Capital Requirement). Die Wichtigkeit des Asset-Liability-Managements hat somit im Zeitablauf noch einmal an Relevanz gewonnen. Bisher werden Staatsanleihen, deren Emittenten Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums oder der OECD sind, grundsätzlich als risikolos eingestuft. Eine Anpassung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften wäre aus dem Blickwinkel der Staatsschuldenkrise durchaus überlegenswert. Versicherer müssen sich jedoch ohnehin im Rahmen der Säule II, also der Anforderungen an das Governance-System (Own Risk and Solvency Assessment – ORSA), intensiv mit den Staatenrisiken auseinandersetzen. Weitere Module dieser wissenschaftlichen Arbeit beschäftigen sich mit der Güte von Zinsprognosen, die in dieser Form so noch nicht wissenschaftlich untersucht wurden. Grundlage dafür war stets die Verfügbarkeit einer geeigneten historischen Datenbasis. Am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve spielte dabei insbesondere die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank – unkonventionell und streitbar zugleich – eine maßgebliche Rolle, welche direkte Impulse sowohl auf den Drei-Monats-Satz als auch die Prognosen hatte. Dabei ergab sich aus den Forschungsergebnissen, dass die Richtung der Zinsänderung – steigende oder weiter sinkende Sätze – aufgrund der zunehmenden Volatilität in Zeiten historisch ungewohnt niedriger Zinsen nicht immer zweifelsfrei vorhergesagt werden konnte. Eine naive Prognose als Alternative gereichte somit keineswegs zum Nachteil. Noch wichtiger für die Versicherungsindustrie war jedoch der untersuchte längerfristige Zins – mit oder ohne Einfluss von makroökonomischer Variablen. Dabei zeigte sich vor allem die Verschärfung der Lage im Zeitablauf für deutsche Assetmanager, da neben der Zunahme der Sicherheitsbedürfnisse vieler Investoren („flight to safety“) auch die Flucht in Qualitätswerte („flight to quality“) und das Zurückziehen in höchstliquide Titel („flight to liquidity“) vor allem deutsche Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren und länger trotz der historisch niedrigen Renditen im sich verschärfenden Krisenfall sehr attraktiv erscheinen ließen.
OriginalspracheEnglisch
QualifikationDoktor(in) der Wirtschaftswissenschaften (Dr. rer. pol.)
Gradverleihende Hochschule
  • Leibniz Universität Hannover
Betreuer*in / Berater*in
  • Graf von der Schulenburg, Johann-Matthias, Betreuer*in
Datum der Bewilligung15 Feb. 2018
ErscheinungsortHannover
Herausgeber (Verlag)
DOIs
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2018

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